Projektarbeiten vom SZ Walle

Garn, dunkel / Photo: Denkwerk Projekt Bremen

Die Schülerinnen und Schüler des Jahrgang 12 des Schulzentrum Walle haben auf vielfältige Weise nach den Spuren des transatlantischen Sklavenhandels in Bremen gesucht.

Die Suche nach den Erinnerungsspuren des frühen Kolonialhandels führte die SchülerInnen der ersten Projektrunde 2011/2012 dabei an verschiedene Orte in der Stadt und Umgebung: Im Staatsarchiv ergründeten die SchülerInnen zum Beispiel, ob und wie die Abhängigkeit des Zucker- oder Baumwollhandels von Sklaverei in diesem offiziellen Gedächtnisort der Stadt auftaucht. Im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück gingen sie der Verbindung des Osnabrücker Leinenhandels und der Einkleidung der Versklavten in Übersee nach.

Im zweiten Projektjahr 2013/2014 begaben sich die SchülerInnen auf die Spurensuche nach der Sklaverei im 19. Jahrhundert und Bremens Verbindungen mit diesem transatlantischen Sklavenhandel. In den vielen einzelnen, selbständigen Forschungsarbeiten der SchülerInnen wurde in dieser Projektrunde erneut deutlich, wie sehr Akteure der Stadt Bremen (zum Beispiel Kaufleute, politische Repräsentanten, intellektuelle Eliten) über den sogenannten Überseehandel in das System der transatlantischen kolonialen Sklaverei verstrickt waren. Sklaverei war im 18. und 19. Jahrhundert in der Stadt präsent, z.B. durch direkte Profiterzielung in den Plantagenwirtschaften Südamerikas; durch koloniale Besitzungen in der Karibik, in denen die Ökonomie auf Versklavung afrikanisch-stämmiger Menschen beruhte; durch Handel mit Produkten wie Zucker, Kaffee und später Baumwolle; und durch familiäre und freundschaftliche Verbindungen zu Familien in Europa und der „Neuen Welt“, die mit Versklavten handelten und/oder wirtschafteten, oder deren spektakulärer Reichtum und Einfluss auf Sklaverei beruhten. So gab es zum Beispiel, dies konnten wir dokumentieren, Bremer Familien, deren Mitglieder aktiv in die Versklavungswirtschaft in Lateinamerika involviert waren – ein Fakt, der bewundernd, verharmlosend und verniedlichend in feierlichen Gedichten zu familiären Anlässen auftauchte.